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Andere Schauplätze und Museen: Nahwanderungen aus der Eifel

Die ‚Barockfabrik’ in Aachen

Bereits im 12. Jahrhundert wurden die Aachener Wolltuche im großen Stil in die westlichen Nachbarländer exportiert. Günstige Standortfaktoren waren die heißen Quellen Aachens, die das Reinigen der Wolle und die Appretur der Tuche erleichterten, aber auch das klare, weiche Wasser der Aachener Bäche.

Eine wichtige Rolle spielten daneben die sehr guten Verkehrsbedingungen, die den Wollbezug und den Handel des Aachener Tuchs auf den großen Märkten förderten. Eine erste Blüte erlebte das Aachener Tuchhandwerk im 14. Jahrhundert. Die Tuchmacher bezogen besonders feine Wolle aus England und stellten hochwertige, meist einfarbige Tuche her. Nach der Aufhebung der Zunft und den mit den Zunftregeln verbundenen Produktionsbeschränkungen entwickelte sich – fußend auf der großen handwerklichen Tradition – eine rege industrielle Entwicklung der Tuchherstellung. 1829 arbeiteten in Aachen schon 12 der 51 Tuchfabriken mit Dampfkraft. Mit der zunehmenden Zentralisierung der Produktion, zunächst in den Manufakturen des ausgehenden 18. Jahrhunderts, vor allem aber im 19. Jahrhundert, wurden Produktionsschritte wie das Spinnen und Weben mehr und mehr in die städtischen Betriebsstätten gelegt, wo sie vom Unternehmer besser überwacht werden konnten. Damit fielen aber unzählige Heim-Arbeitsplätze im ländlichen Umland weg und viele Bewohner - vor allem aus der Eifel – sahen sich gezwungen, wochentags in den städtischen Fabriken zu arbeiten und nur das Wochenende bei ihren Familien in den Dörfern zu verbringen.

Das im Volksmund ‚Barockfabrik’ genannte Gebäude im Zentrum Aachens wurde 1820 von dem Tuchfabrikanten Gotthard Startz erbaut und ist ein schönes Beispiel für den frühen Werkbau des 19. Jahrhunderts. Auch ist davon auszugehen, dass auch in diesem Unternehmen zahlreiche Bewohner aus dem Aachener Umland arbeiteten.

Der Name des Gebäudes hat eine gewisse Berechtigung, denn trotz der stattlichen Fabrikgröße nimmt die Architektur traditionelle Formen des 18. Jahrhunderts auf. Innen war alles hochmodern eingerichtet. Nachdem in langen Verhandlungen alle Ängste der Nachbarn wegen Lärmbelästigung, Erschütterungen und Brandgefahr ausgeräumt werden konnten, erhielt Startz 1822 die Konzession, an diesem Ort die zweite Dampfmaschine Aachens aufzustellen. In der Fabrik waren Walken, Spülkümpfe, Spinn- und Schermaschinen aufgestellt. Heute wird die ehemalige Tuchfabrik Startz als Kulturzentrum, Stadtarchiv und Gaststätte genutzt. Der noch vorhandene Schornstein wurde aus Sicherheitsgründen verkürzt.

Barockfabrik
Löhergraben 22
52064 Aachen
Ansprechpartner: Buhren, Jochen
Telefon: 0172-5645008
Telefax:
E-Mail: jochen.buhren@tuchwerk-aachen.eu
Internet: www.tuchwerk-aachen.de