Waltrop
Mahnmal
Andere Schauplätze und Museen: Zwangsarbeit

Gedenkstätte des Kriegsgefangenenlagers Stalag VI A Hemer

Im Herbst 1939 richtete die Wehrmacht in einer im Bau befindlichen Kaserne am Jüberg in Hemer das erste Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager im Wehrkreis VI (Münster) ein, das Stalag VI A. Die Gefangenen wurden von der Front oder aus anderen Lagern in Massentransporten nach Hemer gebracht, personell erfasst, im Schnellverfahren oberflächlich medizinisch untersucht und nach kurzer Verweildauer zur Zwangsarbeit an die Industrie, das Handwerk sowie an die Land- und Forstwirtschaft weitergeleitet. Das Stalag war die zentrale Verwaltungsorganisation für die Gefangenen und regelte die Einteilung in Arbeitskommandos, die medizinische Versorgung, Disziplinarangelegenheiten, Lohnabrechnungen, Kontakte mit der Heimat per Post usw. Im Lager hielten sich die Gefangenen auf, die arbeitsunfähig waren, die neu angekommen waren, die in andere Arbeitskommandos wechseln sollten, zur Entlassung anstanden, zur Überstellung in andere Lager bereit gehalten wurden oder zu den lagerinternen Arbeitskommandos gehörten. Vom Stalag VI A wurden maximal über 106.000 Gefangene in mehreren hundert Arbeitskommandos "verwaltet". Durch die einigermaßen akzeptable Behandlung und nicht zuletzt durch Versorgungspakete aus der Heimat war das Leben der Westgefangenen (Franzosen, Belgier, Briten) sowie der Polen relativ erträglich. Für die sowjetischen Gefangenen jedoch (ab September 1943 ebenso die als "Verräter" gebrandmarkten italienischen Militärinternierten) war die Gefangenschaft die Hölle. Nachdem das Stalag VI A ab November 1942 zum Sondermannschaftslager für den Ruhrbergbau bestimmt worden war, stieg die Anzahl der sowjetischen Gefangenen sprunghaft an und das Stalag wurde fast zum reinen "Russenlager". Im Ruhrbergbau wurden gerade die Sowjets bei schwerer Arbeit und Hungerrationen oft bis zum Tod ausgebeutet (Vernichtung durch Arbeit). Nicht mehr Arbeitsfähige und Sterbende schickte man nach Hemer ins Stammlager zurück, wo jedoch eine Genesung angesichts der mangelnden medizinischen Versorgung und Ernährung nicht mehr möglich war. In den Arbeitskommandos und im Stammlager starben Tausende von Gefangenen. Das Hemeraner Lager war bei den sowjetischen Gefangnen als Todeslager gefürchtet. Bei der Befreiung des Lagers am 14. April 1945 fanden amerikanische Truppen über 23.000 hungernde und dahinvegetierende Gefangene vor. An das leidvolle Massensterben der Gefangenen erinnern heute zwei Friedhöfe in Hemer. Die Erinnerung wird ferner durch eine Gedenkstätte und einen Dokumentenraum am historischen Ort wachgehalten.

Blücher-Kaserne Hemer
Ostenschlahstraße 60
58675 Hemer
Ansprechpartner: Thomas, Eberhard
Telefon: 02372-551288
Telefax:
E-Mail: E.Thomas@hemer.de
Internet: www.hemer.de/STALAG_IVa/stalagvi.htm