Laer
Fief Wunnen
 
Fief Wunnen Baum und Steen in der Bauerschaft Altenburg bei Laer. Einer der Sammelpunkte der Hollandgänger im Kreis Steinfurt.

Saisonpendler

aus dem Steinfurter Raum in die holländische Küstenregion von 1600-1900

Einer stampft hinter dem anderen drein auf der alten Heerstraße, den Blick auf den Rücken des Vordermannes gesenkt. Schweigsam ziehen die Männer zur Arbeit. Für die Schönheit der Heide haben sie nicht viel Sinn. Im Rucksack tragen sie Speck und Mehl, auf der Schulter Sense und Spaten. Sie kommen aus dem nordwestdeutschen Raum, und ihr Weg geht nach Westen, über die Grenze.

In Laer gibt es eine Wegestation, wo mehrere Routen zusammenlaufen: Fief Wunnen Baum und Steen. An dieser Stätte hat man im Mittelalter noch zu Gericht gesessen hat, vor dem Altarbild "Fief Wunnen" - fünf Wunden Christi. Bis zum Ersten Weltkrieg wird der Platz zur Verabschiedung der jungen Männer genutzt, die sich aufmachen, um in Holland Torf zu stechen oder Gras zu mähen.

Unsere Vorfahren als "Gastarbeiter" in Holland: Vielen mag gegenwärtig zu "Grenzverkehr" oder "grenzüberschreitenden Aktivitäten" eher die EU-Osterweiterung einfallen; dagegen ist es kaum bekannt, dass auch unsere Vorfahren auf Arbeitssuche zu Grenzgängern wurden. Die berühmteste Spielart dieser "Arbeit jenseits der Grenze" ist die Hollandgängerei, wie sie vor allem zwischen 1650 und 1850 betrieben wird. Über Jahrhunderte stellt die Saisonarbeit in Holland eine wichtige Erwerbsquelle dar, die den armen Bevölkerungsschichten Westfalens und Niedersachsens das Überleben ermöglicht. Die Hollandgänger des 17. und 18. Jahrhunderts sind sich kaum bewusst, dass sie Grenzen überschreiten. Es ist das ungeschriebene Gesetz der Hollandgänger, ohne Pass über die Grenze zu gehen. Für sie, die wochen-, monate- oder jahrelang ins Ausland gehen und dabei doch immer einen intensiven Kontakt mit ihren Heimatdörfern unterhalten, wachsen die Sozialräume diesseits und jenseits der Grenze zusammen.

Bilder

Fief Wunnen Baum Foto Dietrich Hackenberg

 

Hannekemaaier (Deutsche Grasmäher). Ausschnitt aus einem Censprent 18. Jahrhundert.

Grafik.  Sammlung Atlas van Stolk, Rotterdam.