Oberhundem
Adolfsburg
 
Der Herrscher auf der Adolfsburg in Oberhundem konnte die Auswanderung seiner Sauerländer Untertanen nicht verhindern.

Auswanderer ins Banat

aus dem kurkölnischen Sauerland 1762-1772

Oberhundem ist ein schönes Dorf, das sich im südlichen Sauerland erstreckt. Einige seiner charakteristischen Fachwerkhöfe stammen aus einer Zeit, da die Hauptrouten deutscher Auswanderer noch nach Osten führen. Im 18. Jahrhundert erfasst eine große Auswanderungsbewegung das Kurfürstentum Köln. Es sind aber weniger die Rheinländer, die sich von den Berufswerbern des Wiener Kaiserhofes locken lassen, sondern vielmehr verarmte Sauerländer von den Oberläufen der Lenne und Ruhr, die wie verzweifelt darauf hoffen, durch die Auswanderung ins Banat mit einem Schlag aller Existenznot von Leibeigenschaft und fürstlicher Willkür zu entkommen.

Baron von Fürstenberg, der Bewohner jener Adolfsburg, kann für die "Fluchtpläne" seiner Untertanen keine große Sympathie aufbringen. Er sucht der Auswanderung buchstäblich einen Riegel vorzuschieben, indem er eine Auswanderergruppe aus Oberhundem ins Gefängnis werfen lässt. Aber die Auswanderer zeigen sich durch solch ohnmächtige Gesten wenig beeindruckt. Bereits im ersten so genannten "Schwabenzug von 1722-26" , mehr aber noch auf dem "zweiten Schwabenzug von 1764-72" , der den Höhepunkt der Ost-Wanderung darstellt, wandern Hunderte Familien aus dem südlichen Sauerland ins Banat; man rechnet insgesamt mit 1800 Personen.

Das Banat, heute im Westen Rumäniens gelegen, gehört von 1526 bis 1716 zum Osmanischen Reich. Das am südöstlichen Rand von Mitteleuropa gelegene Gebiet zwischen der Donau im Süden und den Karpaten im Osten kommt abwechselnd unter die Dominanz von "Orient“ und "Okzident“. Nach dem Zurückdrängen der Türken durch die österreichische Armee wird das Banat zum kaiserlichen Kronland der Habsburger. Von den aufreibenden Kriegen ist das Land weitgehend zerstört und entvölkert. Die Ansiedlung von Kolonisten soll dem verödeten Osten wirtschaftlich wieder auf die Beine helfen: "Ubi populus, ibi obulus" – "Wo Menschen sind, füllt sich die Staatskasse", lautet das merkantilistische Motto der Habsburger. Zugleich aber dient die Kolonisierung dem Zweck, die östlich gelegenen Grenzgebiete des Habsburgerreiches als christliche Bollwerke gegen das große Schreckgespenst der Zeit zu befestigen: den "Ansturm der Türken".

Bilder

Adolfsburg Foto Dietrich Hackenberg

 

1. "Weilen der verkäufer ausser landt nach dem Königreich Hungaren imigrieren will“
Reproduzierter Ausschnitt aus dem Hypothekenbuch Amt und Gericht Bilstein: Verkaufsurkunde von Johannes Koess, Oberhundem, für Rodericus Schürholtz genannt Besting daselbst über das Koess Haus und Gut, 7. Januar 1766. /
2. Planskizze eines Kolonistenhauses im Banat.

Grafik.  1. NW Staatsarchiv Münster. / 2. Hofkammer Archiv Wien.