Troisdorf
Haus International
Mehr Demokratie wagen
 
Im Sozial- und Kulturzentrum für ausländische Arbeitnehmer "Haus International" gibt das "Komitee der ausländischen Arbeitnehmer" 1972 eine Wahlzeitung heraus.

Das erste Ausländerparlament

Vom 04.06.1972 bis zum 26.04.1975

"Ein paar Jahre Geld verdienen und dann zurück." Mit dieser selbst gesetzten Perspektive kommen in den 1950er und 60er Jahren junge Männer und Frauen aus Südosteuropa zum Arbeiten nach Troisdorf.
In der zwischen Rhein und Sieg gelegenen Stadt glauben Industrie und Politik, dass man die "Gastarbeiter" je nach Konjunkturlage rufen und zurück schicken kann.
Für beide Seiten unerwartet, wird aus der Arbeit auf Zeit ein Daueraufenthalt.

Anfang der 1970er Jahre fehlen für nachziehende Ehepartner und Kinder familiengerechte Wohnungen. Schulen und Kindergärten müssen fremdsprachige Kinder und Jugendliche aus Anatolien oder Sizilien integrieren. Inzwischen ist fast jeder 10. Troisdorfer ein Ausländer.
Im neu eröffneten "Haus International" entwickeln Stadt und ein "Komitee der ausländischen Arbeitnehmer" Ideen, wie die Migranten politisch bei der Lösung anstehender Aufgaben mitwirken können.

Am vierten Juni 1972 dürfen Italiener, Jugoslawen, Spanier, Griechen und Türken mit Wohnsitz in Troisdorf Vertreter in ein Ausländerparlament wählen. Presse und Fernsehen vermelden euphorisch, dass mit Troisdorf die erste Kommune in der Bundesrepublik Deutschland, Ausländern ein Stück demokratische Beteiligung ermöglicht.

Nach den ersten Sitzungen des Parlamentes kommt die Ernüchterung. Das mit viel Aufwand und hoher Wahlbeteiligung gebildete demokratische Konstrukt hat keine Rechte. Die Parlamentarier dürfen Vorschläge machen, und Beschwerden vortragen, doch mitbestimmen dürfen sie nicht.
1975 löst sich das Parlament selbst auf und schlägt die Bildung einen Ausländerarbeitskreises vor, der je zur Hälfte aus Stadtverordneten und Ausländern besteht.

Bilder

Foto Dietrich Hackenberg

 

Der "Troisdorfer Ausländer" gezeichnet in der in mehreren Sprachen herausgegebenen Wahlzeitung von 1972. Je nach Ausgabe bekommt der schnurbärtige Baskenmützenträger einen anderen landestypischen Namen.

Grafik.  Stadtarchiv Troisdorf.