Waltrop
Mahnmal
 
In einem Waldstück in Holthausen mahnen Holzsteelen an die toten Kinder von Ostarbeiterinnen. Im Entbindungs- und Abtreibungslager Holthausen ließen die Nationalsozialisten diesen Jungen und Mädchen kaum eine Chance zum Überleben.

Entbindungs- und Abtreibungslager für Zwangsarbeiterinnen aus Polen, Russland und der Ukraine

Vom April 1943 bis Mai 1945

1944 arbeiten in Westfalen 95.000 ausländische Frauen unter Zwang. Sie schuften in den Rüstungsschmieden des Ruhrgebietes, in den Lampenstuben der Zechen, in münsterländischen Textilbetrieben, auf Bauernhöfen oder im Haushalt nazitreuer Familien. Sie sind jung, im Durchschnitt um die 20 Jahre und stammen aus Polen oder der Sowjetunion.

Das Leben der meisten Zwangsarbeiterinnen ist trist und fremdbestimmt. Nach zwölf Stunden Arbeit, pfercht man sie in Massenunterkünfte. Heimweh und Angst vor den nächtlichen Bomberangriffen plagen die Frauen. Wollen sie in die Öffentlichkeit, müssen sie die diskriminierenden Kennzeichen "Ost" oder "P" an der Kleidung tragen.

Die Nationalsozialisten sind nur an der Arbeitskraft der Zwangsarbeiterinnen interessiert, schwangere Frauen passen nicht ins Konzept. In Waltrop wird am Rande der Rieselfelder ein zentrales Entbindungslager für Polinnen und "Ostarbeiterinnen" aus Westfalen eingerichtet. Mit einer Kapazität von 500 Personen ist es das größte seiner Art im Reich.
Zwangsarbeiterinnen bis zum fünften Monat der Schwangerschaft werden hier zur Abtreibung gezwungen. Die übrigen Schwangeren müssen bis zur Niederkunft auf den Feldern der "Gemüseanbaugenossenschaft Waltrop" oder in einer angegliederten Nadelfabrik arbeiten.

Im Rassenwahn der Nationalsozialisten gelten die Kinder der Osteuropäer als minderwertig. Entsprechend schlecht sind Hygiene, Ausstattung und Versorgung im Lager. Viele der Säuglinge sterben.

Bilder

Foto Dietrich Hackenberg

 

Name eines Kindes das in Holthausen umkam, geritzt ins Pflaster der Fußgängerzone von Waltrop.

Grafik.  Foto Dietrich Hackenberg.