Nordrhein-Westfalen
Vorschlag

Erinnerungsort

Objekt: Ehemaliges Haus der ausgewanderten jüdische Familie Eisendrath

Adresse: Wiesenstrasse, Dorsten

Migrationsereignis

Kurzbeschreibung: Auswanderungsgeschichte einer großen jüdischen Familie im 19.Jahrhundert von Dorsten nach Chicago

Zeitraum: 1852 bis 1880

Beschreibung: Die erkennbaren Anfänge der Familie Eisendrath liegen rund 200 Jahre zurück. Nach dem Emanzipationsedikt und der Ansiedlungserlaubnis für Juden in Städten kommt Samson Nathan ca. 1810 nach Dorsten. Mit der Eheschließung von Samson Nahan und Julia Isaak beginnt eine faszinierende Familiengeschichte. Diese jüdische Familie prägte mit ihrer Vielzahl von Söhnen und Töchtern das Leben der jüdischen Gemeinde in Dorsten bis 1880. Gleichzeitig zeigt diese Familiengeschichte vieles an allgemeinen Tendenzen: Zunächst die Assimilierung und Etablierung in einem christlichen Umfeld, den Aufbau einer jüdischen Gemeinde, - wobei Samson Nathan der erste Synagogenvorsteher wird, den beachtlichen Kinderreichtum von 23 Kindern(?), die berufliche Entwicklung der Familie. Samson Nathan betreibt einen Manufakturwarenhandel, aber er wird gleichzeitig auch als Metzger und Gerber bezeichnet. In diesen Berufssparten werden auch seine Söhne ausgebildet und weiten die Geschäfte des Vaters zum Beispiel im Gerbergeschäft wesentlich aus. 1852 wandert der erste Eisendrath auf der Suche nach einem besseren Leben in die USA aus und siedelt sich in Chicago, einer gerade neu aufblühenden Stadt, an. Chicago entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von einer kleinen Pioniersiedlung zu einem führenden Handels- und Industriezentrum. Fast die gesamte Nachkommenschaft von Samson Nathan Eisendrath und Julia Isaak wanderte nach und nach in die USA aus. Ein einziger - und zwar Baruch, der älteste Sohn Samson Nathans - blieb in Europa, in Amsterdam. Die übrigen acht Kinder gründeten wiederum (zum Teil sehr große) Familien und gingen schon mit diesen nach Amerika, z.B. das Ehepaar Eva Eisendrath und Meyer Wolff, die 1880 unmittelbar nach der Geburt ihres 10. Kindes als letzte aus der Großfamilie Dorsten verließen. Nach beschaulichen Anfängen bringt es der Familienverband der Eisendraths zu beachtlichen Standards in einigen Wirtschaftszweigen. Wer zum Beispiel vor rund 100 Jahren seinen Namen Eisendrath in den USA nannte, wurde gleichzeitig mit der Lederindustrie in Verbindung gebracht. Besonders in diesem Industriezweig hatten es die Eisendraths vom einfachen Gerber in Dorsten zur großen Lederbranche gebracht. Die Bindungen nach Europa rissen nie ab. Viele Besuche in Amsterdam, Köln und Dorsten zeugen davon. Die Familie ließ 1922 den jüdischen Friedhof in Dorsten wiederherstellen; und noch im Jahre 2001 wurde von Familienmitgliedern wiederum eine namhafte Summe zur Renovierung des Friedhofs überwiesen. Alle uns bekannten Mitglieder der Eisendrath-Familie führen sich ursprünglich auf die jüdische Familie in Dorsten zurück. Noch heute besuchen auch jüngere Familienmitglieder regelmäßig die Gräber von Julia und Samson Nathan Eisendrath in Dorsten.

Vorschlagende / Vorschlagender

Name: Elisabeth Cosanne-Schulte-Huxel, stellv. Vorsitzende , Jüdisches Museum Westfalen in Dorsten

Bemerkungen: siehe auch www.juedisches-leben.net "Juden in Dorsten und in der Herrlichkeit Lembeck" Ein Buch der Forschungsgruppe Dorsten unterm Hakenkreuz. 1989