Nordrhein-Westfalen
Vorschlag

Erinnerungsort

Objekt: Rotes Haus in Monschau - ehemaliges Wohn- und Geschäftshaus des Tuchmachers und Kaufmanns Johann Heinrich Scheibler.

Adresse: Laufenstraße 10, Monschau

Migrationsereignis

Kurzbeschreibung: Tuchmacher aus Monschau wandern als Spezialisten in den Osten und fördern die Entwicklung der Textilindustrie in Kongresspolen und Russland

Zeitraum: 1815 - 1830 und 1850 - 1865

Beschreibung: Auf dem Wiener Kongress wird 1815 das bis dahin französisch besetzte Rheinland Preußen zugeschlagen. Folge, die schon schwächelnde Tuchindustrie in Monschau wird von ihren bisherigen Absatzmärkten im französischen Weltreich abgeschnitten. Nach diesem Einbruch kann das Gewerbe des Eifelstädtchens seine Bewohner nicht mehr mit Arbeit und Brot versorgen. Zwischen 1815 und 1830 verlassen 20 % der Bevölkerung Monschau.
Neue Märkte tun sich im Osten auf, wo Polen dem Russischen Zarenreich einverleibt worden ist. Die Erzeugnisse der Textilindustrie aus Kongresspolen finden in Russland reichlich Absatz. Die boomende Industrie braucht Facharbeiter und viele Monschauer Spezialisten lassen sich von Werbern nach Kongresspolen locken.

Ab 1834 belebt sich auch in die Monschauer Textilindustrie wieder. Doch nur für kurze Zeit, dann folgt der endgültige Zusammenbruch. Im engen Tal der Rur gibt ist nicht genug Platz für große Neubauten, wie sie moderne mechanisierte Textilunternehmen benötigen. Erneut wandern viele Monschauer gen Osten, darunter auch Unternehmer wie Karl Wilhelm Scheibler. 1854 lässt sich der Wirtschaftspionier im polnischen Łódź nieder und errichtet dort im Laufe von zwanzig Jahren ein riesiges Textilunternehmen. Bekannt wird Scheibler für sein soziales Engagement. In Łódź lässt er Arbeiterwohnhäuser bauen und finanziert Schulen für die Söhne seiner Beschäftigten.
Als er stirbt lässt seine Ehefrau ihm ein gigantisches Grabmahl in Form einer gotischen Kathedrale errichten. Dieses Bauwerk, sein Wohnhaus in Lodz und Teile des Industriekomplexes kann man noch heute besichtigen. In Monschau erinnert die Stiftung Scheibler-Museum Rotes Haus an den berühmten Sohn der Stadt. Das Rote Haus steht als Symbol für die technische Kompetenz der Tuchmacher der Monschauer Manufakturen und die vielfältigen europäischen Handelsbeziehungen der Textilverleger des Rurstädtchens.

Vorschlagende / Vorschlagender

Name: Geschichtsverein des Monschauer Landes e.V.

Bemerkungen: Literatur: Walter Scheibler. Die Auswanderung aus Monschau nach dem Osten im 19. Jahrhundert. In: Nordrhein Westfalen und der Deutsche Osten. Dortmund 1962.