Nordrhein-Westfalen
Vorschlag

Erinnerungsort

Objekt: Turm der Erinnerung

Adresse: Siebenbürger Sachsensiedlung Drabenderhöhe, 51674 Wiehl

Migrationsereignis

Kurzbeschreibung: Zuwanderung der Volksgruppe der Siebenbürger Sachsen nach 1945

Zeitraum: ab 1965

Beschreibung: Die Siedlung Drabenderhöhe ist die vierte Siedlung für Siebenbürger Sachsen in NRW und entstand 1965 im Bergischen Land. Die Siebenbürger Sachsen waren eine der zahlreichen deutschen Volksgruppen in Osteuropa. Ihr Siedlungsgebiet gehörte im Zweiten Weltkrieg teils zu Ungarn (Nordsiebenbürgen), teils zu Rumänien (Südsiebenbürgen). Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges evakuierte die Wehrmacht auf ihrem Rückzug die zu Ungarn gehörenden Nordsiebenbürgen Richtung Westen (Österreich). Die zu Rumänien gehörenden Südsiebenbürgen blieben zum großen Teil vor Ort und wurden dann nach Kriegsende zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert. Aus Rumänien vertrieben wurden sie (anschließend) nicht, da Rumänien nicht zu den Vertreiberstaaten gehörte. Die Siebenbürger Sachsen von dort kamen überwiegend als Spätaussiedler in die BRD und nach NRW. Vor allem für sie wurde die Siedlung Drabenderhöhe im Bergischen Land gebaut.

Vor ihr entstanden als Werkssiedlungen des Bergbaus die Siebenbürger Sachsensiedlungen in Herten-Langenbochum, Oberhausen-Osterfeld und Aachen-Setterich, deren Bewohner Anfang der 1950er Jahre gezielt in den Bergbau angeworben worden waren, v.a. aus Österreich. Teil des „Deals“ war, dass sie für sich und ihre Familien eigene Siedlungen erhielten. Solche separaten Siedlungen widersprachen eigentlich der Flüchtlingspolitik sowohl der Briten als auch der NRW-Landesregierung, die auf Eingliederung und Vermischung abzielte und „ethnische Ghettos“ ablehnte. Die traditionsbewussten Siebenbürger Sachsen wollten aber gerade darauf nicht verzichten und hier ihre Tradition in Gemeinschaften weiterpflegen, die eng an die dörflichen Strukturen angelehnt waren, aus denen sie stammten. Die Tolerierung/Förderung einer Parallelgesellschaft hat die Integration in diesem Falle nicht behindert.

In Drabenderhöhe leben heute 3.500 Menschen. Sie stammen aus 190 der 250 Heimatorte in Siebenbürgen. 1991 erhielt die Siedlung die Goldplakette im Bundeswettbewerb „Vorbildliche Integration von Aussiedlern“. Der Turm der Erinnerung orientiert sich architektonisch an den Wehrkirchen in Siebenbürgen.

Vorschlagende / Vorschlagender

Name: Dr. Dagmar Kift, wissenschaftliche Referentin im LWL-Industriemuseum

Bemerkungen: Infos zur Siedlung Drabenderhöhe und zu den Siebenbürger Sachsen:
www.drabenderhoehe.de/
www.siebenbuerger.de/

Zur Zuwanderung und Anwerbung der Siebenbürgen Sachsen nach 1945 (mit einzelnen Biographien, Infos zur Siedlung in Herten-Langenbochum und und weiterführenden Literaturhinweisen):
- Ausstellungskatalog „Aufbau West. Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder“, hg.v. Dagmar Kift, Essen 2005
- Unterrichts-DVD „Aufbau West. Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder“ hg.v. LWL-Medienzentrum für Westfalen, Münster 2005
www.vertreibung-und-wirtschaftswunder.de